Die Domäne

Wandmalereine in den Kellergängen des Alten Schlosses von Beervelde

Zur Entstehung dieses Projekts erst einmal eine kleine Vorgeschichte:

Zwei Tatsachen spielten bei der Idee für diese Malereien eine Rolle:

1.      Graf Charles de Kerchove de Denterghem hatte drei Söhne. Während der „Golden Sixties“, den wilden Sechziger Jahren, waren sie zwischen 16 und 20 Jahre alt und wollten sich mit ihren Freunden in einem eigenen Partyraum vergnügen. Dafür schienen ihnen die Kellerräume des alten Schlosses ausgesprochen geeignet. Vater Charles war einverstanden und sogar bereit, ein Steinchen zur Ausgestaltung beizutragen. „Das Leben ist ein Spiel“, wird er zitiert, und er wollte gerne selbst ein wenig mitspielen.

2.      Eines Tages besuchte Graf Charles eine Ausstellung mit Werken des belgischen Künstlers Roger Raveel im Palais der Schönen Künste zu Brüssel. Er war begeistert von der Themenauswahl des Malers und dessen für diese Zeit ungewöhnliche und frische Arbeitsweise. Der Graf, der seine Söhne und Freunde für die Schönheit der Kunst gewinnen wollte, hatte einen Geistesblitz: Roger Raveel würde der geeignete Künstler sein, einen Teil der Kellergänge zu bemalen.

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Beim ersten Treffen in dieser Angelegenheit, einem Ortstermin am 3. Mai 1966, schlug Raveel vor, die Kellergänge vollständig zu bemalen, in Zusammenarbeit mit drei anderen jungen und seelenverwandten Künstlern: Raoul De Keyzer, Etienne Elias und Reinier Lucassen. Der Graf war einverstanden, hatte aber selbst klarumrissene Vorstellungen. In gemeinsamen Überlegungen mit den Künstlern zur Ausführung wurden folgende Prämissen aufgestellt:
Die Besucher sollen die Empfindung haben, völlig in das Kunstwerk einzutauchen und so die Möglichkeit erhalten, selbst aktiv Teil des Kunstwerks zu werden. Die Malerei ist zwar etwas Zweidimensionales, doch da die gesamten Gänge in Höhe und Breite in das Werk einbezogen wurden, entsteht ein mehrdimensionales Erlebnis, das die Besucher vom ersten Moment an einbezieht. Sie werden unwillkürlich von der Malerei aufgesogen und tauchen für kurze Zeit ab in diese Welt.
Spezielle optische Effekte erwecken, entgegen der Wirklichkeit, den Eindruck größerer Weite der Gänge.
Eine weitere Bedingung wurde an die Gestaltung geknüpft: Die Malereien müssen eine harmonische Einheit mit der Natur der Domäne ringsumher bilden. Und von jedem Standort in den Gängen muss ein Fragment der Domäne wahrnehmbar sein.
Für die endgültige Realisation bekam Raveel völlige Freiheit. Die Arbeiten begannen am 2. September 1966 und wurden im März 1967 vollendet.

Führungen durch die Raveel-Keller

Da sich die Keller unter der Villa des heutigen Grafen de Kerchove befinden, sind ausschließlich geführte Besichtigungen zugelassen. Die Besuchergruppen sollten nicht mehr als 15 Personen umfassen. Wir behalten uns vor, gegebenenfalls die Gruppen zu teilen. Meistens übernimmt Graf Renaud die Führung selbst, aber wir verfügen auch über weitere fähige Führer.
Der Preis beträgt 5 € pro Person und dauert zwischen 30 und 45 Minuten. 

 
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